Die Kaserne Klusberge
(Fliegerhorstkaserne)



    Die Fliegerhorstkaserne in der Klussiedlung südlich von Halberstadt spielte in den Stationierungsjahren der GSSD in Halberstadt die wesentlichste Rolle. Denn seit den Aufständen des Junis 1953 wurden hier vorwiegend Panzertruppen untergebracht.
   Der Autor hat bei einer Begehung der Kaserne, kurz vor dem Abriss, den Eindruck gewonnen, dass die Sowjets keine wesentlichen Änderungen an den Gebäuden vorgenommen haben, die noch aus der Zeit des Fliegerhorsts - also vor 1945 - stammten. Wegen der soliden Bauweise gab es dafür auch keinen Grund.
   Für die Stationierung von Truppen der Luftwaffe und Luftlandetruppen wurde die Kaserne 1936 fertiggestellt und bis Kriegsende genutzt. Nach 1945 gab es Planungen, eine Landesverwaltungsschule im Objekt unterzubringen. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Schwierigkeiten bei der Raumzuordnung

   Die ebenso unveränderte Raumaufteilung erschwerte dem Verfasser einst, den Nutzer für die jeweiligen Räumlichkeiten bzw. Gebäude herauszufinden. Denn für gewöhnlich sind die Unterkünfte der Mannschaftsdienstgrade (Rekruten, Längerdienende) an den Schlafsälen zu erkennen. Doch diese Raumbestimmung war in den hiesigen Gebäuden nicht möglich. Lediglich größere Räume ließen vermuten, dass hier einmal junge Rekruten ihren Schlaf suchten. Es kann aber angenommen werden, dass pro Stube eine gesamte Kompanie mit Hilfe von Doppelstockbetten untergebracht wurde, natürlich abhängig von der Waffengattung.
   Im Jahre 2005 nahm der Verfasser Kontakt mit einem in Halberstadt ehemals dienenden Offizier auf. Dieser konnte die Gebäude der gesamten Kaserne dem Nutzer zuordnen.

Beschreibung der einzelnen Objekte

    Um den Appellplatz herum verteilt befand sich eine der zwei Mannschaftsunterkünfte des 197.PR. Die Gebäude wurden bereits zur Vorkriegszeit in solider Bauweise errichtet. Ähnliche Gebäude findet man z.B. auch im ehemaligen Luftwaffenstandort Perleberg. In den in Halberstadt errichteten Gebäuden wurden untergebracht: 1. und 2. Panzerbataillon, Mot.-Schützenbataillon, Artillerieabteilung, Flugabwehrraketenabteilung, Aufklärungskompanie und Kompanie Materielle Sicherstellung. In den anderen Gebäuden wurden Berufssoldaten, also Fähnriche und Offiziere des 197.PR als auch des 112.AklB untergebracht.

Unterkünfte Mannschaftsunterkünfte Mannschaftsunterkünfte Tibüne und Unterkünfte

   Am westlichen Rand des Appellplatzes lag der "woentorg" (Militärladen), ein Geschäft, wo sich die Soldaten die notwendigsten Artikel kaufen konnten, wie beispielsweise Feldkoppel, Zigaretten, Waschmittel etc. Im gleichen Gebäude befand sich auch eine Teestube.

Ladenöffnungszeiten

   An der Hauptzufahrt zur Garnison lag das Stabsgebäude des Panzerregiments. Im Nördlichen Gebäudetrakt wurde auch die Nachrichtenkompanie des Regiments untergebracht. Vor dem Abriss befand sich noch eine Funkantenne auf dem Dach, sowie ein schwere Tresor und zahlreiche liegen gelassene Dokumente im inneren des Stabsgebäudes. Jedoch konnten keine verwendbaren Dokumente gefunden werden.

Stab 197.PR

   Direkt südlich des Stabsgebäudes befand sich die Offizierskantine, in der alle Offiziere der Garnison speisten. Neben den Unterkunftsgebäuden gab es noch ein Kulturhaus, das wohl auch aus der Zeit vor 1945 stammt. Für gewöhnlich fanden hier kulturelle und politische Veranstaltungen statt. Der Offizier bezeichnete einen Teil dieses Gebäudes als "Telezentr", also "Fernsehzentrum".

Kulturhaus

   Im nordöstlichen Teil der Garnison befand sich der Speisesaal mit Küche ebenfalls ein Bau aus der Zeit vor 1945. Hier speisten die Mannschaftsdienstgrade. Nördlich des Speisesaals befand sich der Kindergarten.

Kindergarten Kindergarten

   Nahe dem großen Garagenkomplex des 197.PR, im östlichen Teil der Garnison, befand sich ein weiteres Kasernengebäude, welches das Personal des 3. Panzerbataillons und der Instandsetzungskompanie beherbergte. Auch dieser Bau stammt aus der Vorkriegszeit.

Mannschaftsunterkünfte Mannschaftsunterkünfte

   Zum 112.Aufklärungsbataillon: Diese Einheit nutze einen separaten Teil der Garnison, welcher sich südlich der Hauptzufahrt anschließt. Vor der Kaserne befand sich auch eine Traditionswand. Jene Wände, auf denen die Orden, Verdienste und Schlachtzüge der Einheit (während des 2. Weltkrieges) zu sehen waren.

Traditionswand

   Kern dieses Teilobjektes stellt aber ein Gebäude dar, in denen Personal (untere Dienstgrade) untergebracht wurde und der Stab arbeitete. Eine Garage sowie Lager- und Werkstatträume befanden sich als Anbau direkt am Gebäude. Weiter südöstlich lag der Fahrzeugpark mit Garagen und Stellplätzen. Auch eine Mauer, die eine Abgrenzung zur weiter nordwestlich gelegen Kaserne darstellt, beweist eine gewisse Eigenständigkeit dieser Kaserne. Das Gebäude gehörte schon zur Vorkriegszeit zum Fliegerhorst.

Kaserne 112.AklB Raum in Kaserne 112.AklB Russenklos
Kaserne und Park 112.AklB Park 112.AklB Eingang Park 112.AklB
Unterirdischer Tank aus Vorkriegszeiten

   Direkt südlich des 112.AklB befand sich das Munitionslager. Für die Unterbringung der Munitionskisten und evtl. andereren Ausrüstungsgegenständen dienten einfache Gebäude, die wahrscheinlich aus keinem Typbauprojekt hervorgegangen sind.

Munilager Munilager

   Die Garagen (Park) des 197.PR befanden sich direkt am Schießplatz. Neben Garagen für Panzer und weitere Fahrzeugarten gab es auch Werkstätten, Rampen und Tankstellen und vermutlich Ausbildungsstätten. Die genaue Kapazität der Garagen und Stellflächen ist dem Verfasser leider nicht bekannt. Geht man aber von der Fahrzeugmenge für ein Panzerregiment aus, mussten dort über 90 Panzer, über 40 Schützenpanzer sowie weitere Panzerfahrzeuge wie Selbstfahrlafetten der Artillerie oder Flugabwehr gestanden haben. Die Garagen wurden vermutlich in den späten 60ern errichtet

Park 197.PR Park 197.PR
Park 197.PR Luftbild Park 197.PR

   Nördlich der Garagen findet man auch ein Duschhaus, das auch eine Bäckerei beinhaltete. Ganz am östlichen Rande lag der Schweinestall.

Duschhaus und Bäckerei Beschriftungen an Mauer

   Bisher unbeachtet blieb das Wachgebäude. Richtung Straße, direkt an der Einfahrt, befand sich der KPP, also der "Kontrollnuy u pasportnuy punkt" (Kontroll- und Ausweispunkt). Direkt daran anschließend befand sich das eigentliche Wachgebäude der Garnison. Dazu gehörte auch ein Gefängnis mit mehreren kleinen Zellen, die der Verfasser nur sehr dunkel (also ohne viel Sonnenlicht) in Erinnerung hat. Der Innenhof war nur wenige Quadratmeter groß und nach allen Seiten, sogar gen Himmel, mit Stacheldraht abgegrenzt. Selbst hier zeigte sich die Bedeutung der Exerzierausbildung innerhalb der Sowjetischen bzw. Russischen Streitkräfte, denn man versah den Innenhof mit einem kleinen Appellplatz, inklusive Hilfslinien fürs vorschriftgemäße Exerzieren. Nur ein Raum diente hierbei nicht als Haftzelle. Dort, nahe der Hauptzufahrtsstraße der Kaserne, befand sich eine Telefonvermittlung, die sicherlich auch als Postannahmestelle diente.

KPP KPP und Wache KPP und Wache von innen
Arrestgebäude (und Post) Umzäunter Arresthof Zentrale (Telefon)

   1974 wurde ein dreistöckiger Neubaublock als Wohnheim für Offiziere errichtet. Der Block bestand aus 24 Wohneinheiten, was jedoch nicht beudeuten muss, dass diese von 24 Familien belegt wurden. Meist teilten sich aufgrund des Wohnungsmangels mehrere Familien eine Wohnung. 1982 wurden südlich des 1974 errichteten Blocks zwei weitere Wohnheime errichtet. Es wurden jeweils 24 Wohnheiten auf vier Etagen verteilt. In unmittelbarer Nähe wurde ein kleines Heizhaus errichtet.

Offizierswohnungen Offizierswohnungen Heizhaus
Offizierswohnungen Offizierswohnungen Beschriftungen an Mauer

Übersichtsskizze

   Um die Verteilung der Gebäude besser nachvollziehen zu können, wird eine Skizze beigefügt:

  1. Kontrollpunkt
  2. Wache, Gefängnis, Post
  3. Stab - 197. Panzerregiment (PR)
  4. Offizierskantine
  5. Kaserne - 112. Aufklärungsbataillon (AklB)
  6. Garagen, Park - 112. AklB
  7. Appellplatz
  8. Kaserne (Mannschaftsdienstgrade) - 197. PR
    - 1./2. Panzerbataillon
    - FlaRakAbteilung
    - Artilleriebatterie
    - Kompanie Materielle Sicherstellung
    - Aufklärungskompanie
    - Mot.-Schützenbataillon
  9. Unterkünfte für Uffz., Fähnr. und Offz.
  10. Militärgeschäft, Teestube
  11. Kulturhaus
  12. Offizierswohnblöcke
  13. Kantine für Mannschaftsdienstgrade
  14. Grundschule
  15. Kaserne (Mannschaftsdienstgrade) - 197. PR
    - Instandsetzungskompanie
    - 3. Panzerbataillon
  16. Ledigenwohnheime
  17. Duschhaus, Brotbäckerei
  18. Schweinestall
  19. Munitionslager
  20. Panzer- und Kfz-Park - 197. PR
  21. Schulungsgebäude
  22. Instandsetzungshalle
  23. Sporthalle

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