In einem
umzäunten Areal des Waldgebiets südlich der Kaserne befand sich ein vorbereiteter, pioniertechnisch ausgebauter Gefechtsstand (GS) eines GSSD-Verbandes.
KIP-88
In einem Kellerraum der Kaserne konnte auf einem Schaltkasten die Aufschrift "KIP 88", also in etwa "Stütznachrichtenzentrale" gefunden werden. Dies ist ein Hinweis auf die Anbindung an ein Nachrichtennetz. Ab den 60ern wurden, aufgrund Störungen der Freileitungen durch z.B. äußere Einflüsse, Stütznachrichtenzentralen (russ.: KIP - kontrollnuy u ismeritelnuy punkt) und Verstärkerpunkte in die Netze eingeschleift. So befand sich also bei Halbertstadt der "Kontroll- und Messpunkt 88". Dieser KIP befand sich in einem Betonfertigteil-Bunker des Typs USB, der späteren
Nachrichtenzentrale eines GSSD-Gefechtsstandes. Höchstwahrscheinlich nutze man diese auch als Verstärkerpunkt. Zwingend notwendig war er aber für einen/den GS nicht.
Zur Lage und Bunkerbeschreibung siehe
Beschreibung des Gefechtsstands.
"Weil die Leitungen sehr anfällig waren und bei Witterungseinflüssen
starken physikalischen Schwankungen unterworfen waren
gab es als Element der Nachrichtensicherstellung die KIP.
... Die Gründe der KIP lagen in diesen Leitungen.
Erst mit der Schaffung eines Stammnetzes COCC wurden diese Trassen totgelegt.
Da der Aufwand in der gesamten DDR natürlich erheblich war,
konnte man nicht alle Örtchen und Stellungen zugleich machen."
(Nach: Peter Rentsch)
Beschreibung des Gefechtstandes
Das Areal des GS ist durch einen einfachen
Strachedrahtzaun umzäunt und hat eine Fläche von knapp unter 10ha. Die
Haupteinfahrt befindet sich im Norden. Zwei weitere Einfahrten befinden sich im Osten und im Süden. Nur die Hauptzufahrt ist teilweise betoniert. Jedoch müssten das ein Überbleibsel aus Vorkriegszeiten sein, denn früher befand sich hier ein Flugplatz.
Wie in der
Skizze zu erkennen ist, besteht das Areal aus einem großem und weiteren kleinen Fahrkreisen, die den gerichteten Verkehr beim Bezug gestatten sollten.
An allen Zufahrten außerhalb des GS befinden sich Erddeckungen für SPW, da es Kfz-gefährdete Zufahrten waren. Ansonsten lassen sich auch weitere Schützengräben finden, die einer tief gestaffelten Rundumverteidigung hätten dienen können. Es ist aber nicht auszuschließen, dass diese Gräben von einer anderen Truppe errichtet wurden. Abhängig vom Nutzer (Division, Armee) war auch die Stärke der Einheit, welches das Objekt zu bewachen hatte. Die Rundumverteidigung ist je nach Größe der Nachrichtenzentrale - truppendienstlich gesehen - eine Aufgabe der Sicherungskompanie und aller dienstfreien Kräfte bei Nachrichtenzentralen der Division aufwärts.
Im
umzäunten Areal konnten knapp 60 Erddeckungen und Kfz-Stellungen gezählt werden. Die Formen variieren dabei:
Im Südwestlichen Teil befinden sich die wohl wichtigsten Stellungen, die einzige P-Stellung und drei Kreuz-Stellungen. Gleich nördlich davon befindet sich in geringer Entfernung eine verbunkerte Nachrichtenzentrale (NZ).
An der westlichen Objektgrenze, jedoch außerhalb des umzäunten Areals, konnten mindestens 2
Trassensteine gefunden werden. In geringer Entfernung standen zwei Holzmasten (oberirdische Weiterführung von Kabeln?).
Aufbau Nachrichtenzentrale
Die verbunkerte NZ besteht aus USB- und SBK-Bunkertypen. Eine räumliche Trennung lässt sich zwischen einfachen Nachrichtensoldaten (südlicher Trakt) und höheren Dienststellungen (nördlicher Trakt) erkennen.
Für Raumaufteilung siehe:
Skizze
Bilder der NZ:
Stabsbunker
Nur wenige hundert Meter von der NZ entfernt befindet sich im südöstlichen Teil des GS der Stabsbunker, bzw. das Gefechtsführungszentrum. Dieser besteht lediglich aus 2 SBK-Elementen. Im
südlichen Raum befindet sich heute nur noch ein Tisch sowie verschiedene Aufschriften an den "Steckdosen" (
1,
2). Der
nördliche Raum ist leer stehend. Dort sind die selben Aufschriften zu lesen.
Am südlichen Filter konnte
diese Aufschrift fotografiert werden. Der letzte Filterwechsel müsste somit 1981 stattgefundnen haben.
In dieser
Übersichtsskizze kann man die Lage der einzelnen Elemente nachvollziehen.
Abgesetzte Sendestelle
Auf einer
Erhebung, (
Katzenberg, 172,7m; südöstlich vom Klusberg) wird eine abgesetzte Sendestelle und/oder abgesetzte Richtfunkstelle des GS vermutet.
Direkt auf dem Gipfel des Berges befindet sich eine
Kfz-Erddeckung. In Hanglage gibt es noch vereinzelte Kfz-Stellungen, in die auch ein Lkw des Typs SIL oder URAL etc. gepasst hätte. Dazu kommen noch viele Schützengräben, die wohl als Verteidigungsstellungen dienten.
Vor Ort konnten ebenso sichergestellt werden: siehe
Bild.
Es handelt sich dabei um einen Strom- oder Telefonleitungsmasten und um ein Stuhlgestell, wie es für Nachrichtentrupp-Lkw mit Kofferaufbau üblich war. Aussage eines Offiziers der Nachrichtentruppen hierzu:
Das andere Gestell ist ein Stuhlgestell, unten schaut noch der Zapfen der Bodenverankerung raus. Mit diesem konnte man den Stuhl auf dem Fußboden eines Nachrichtentrupps [Lkw] verankern, so konnte man auch während der Fahrt sicher sitzen. Zu finden meist in Richtfunktechnik und größeren Trupps der Basierung SIL.
Schlussfolgerungen zum Nutzer
Die Anzahl der Stellungen und Erddeckungen sowie die Trennung von Stab und Nachrichtenzentrale verweist ziemlich genau auf einen Gefechtsstand eines größeren Verbandes der GSSD.
Von der Menge der Stellungen her könnte es ein Divisisonsgefechtsstand gewesen sein, je nach dem wie groß der Stabsteil war. Es könnte sich hierbei auch um eine Rückwärtige Führungsstaffel einer Armee gehandelt haben, da diese nicht all zu groß war (im Vergleich zu ihrem Hauptgefechtsstand).
Somit kämen als Nutzer zumindest alle Divisionen der 3. Stoßarmee in Frage. Bei einer Rückwärtigen Führungsstaffel einer Armee käme wohl die
3. Stoßarmee selbst in Frage.