Funktechnische Objekte bei Halberstadt



Funktechnische Truppen: Waffengattung der Luftstreitkräfte und der Truppen der Luftverteidigung sowie Waffengattung der Landstreitkräfte (Truppenluftabwehr), der die Funkmesssicherstellung der Gefechtshandlungen der Waffengattungen und Spezialtruppen aller Teilstreitkräfte obliegt.
   Die funktechnischen Truppen bestehen aus Truppenteilen und Einheiten. Sie sind mit Funkmessstationen verschiedenen Typs und vielseitiger Zweckbestimmung sowie mit automatisierten Führungs- und Leitsystemen ausgerüstet. 
(Aus: Militärlexikon. S. 118. Berlin 1973 (Militärverlag der DDR). 2. Auflage.)

Frühwarnstationen der 3.Stoßarmee

   Jede Landarmee der GSSD verfügte über Frühwarnstationen (Funkmessstellungen), die jeweils den bedrohten Luftraum im Gebiet einer Armee überwachten. Dadurch hätten die Verbände und Truppenteile der Truppenluftabwehr (TLA) innerhalb der Armee zusätzlich mit Luftlageinformationen versorgt werden können.
   Die Einheiten teilen sich zu Funktechnischen Posten (FuTP) auf, die zu einem Funktechnischen Bataillon (FuTB; direkt der Armee unterstellt) zusammengefasst wurden.
   Die Funkmessstellungen der Landarmeen der GSSD wurden ebenfalls in das Diensthabende System (DHS) des Warschauer Vertrages eingebunden.
   Da sich diese Seite haupsächlich mit Verbänden und Truppenteilen der 3.Stoßarmee befässt, werde ich nun die Funkmessstellungen der 3.Stoßarmee darstellen:    Um die Lagebeziehung der FuTP zur Armee (Magdeburg) besser zu verstehen, wurde dieses Schema angefertigt:
Schema
Dardesheim
   Zwischen dem Höhenzug Huy und dem Harz, ca. 15km von der Grenze zur BRD entfernt, lag der 311.FuTP der 3.SA. Das Objekt wurde Mitte der 60er Jahre errichtet und war zweifach unterteilt: Im Südwesten der Sozialtrakt für (vermutlich) Berufssoldaten:


   Im nordöstlichen Teil befand sich die Funkmesstechnik sowie der Stabsbereich, Unterbringungs- und Versorgungsbereich für Rekruten und Instandsetzungsgebäude (Kfz-Hallen, Rampe etc.):


Funkmessstellungen der 45.Funktechnischen Brigade

   Die 45.Funkteschnische Brigade (FuTBr) hatte ihren Stabssitz in Merseburg und unterhielt mehrere Objekte im näheren Umkreis von Halberstadt, da zu ihrem Aufklärungsbereich auch die (Vor-)Harzregion gehörte.
   Neben der 45.FuTBr gab es auch noch die 40.FuTBr im Stabssitz im brandenburgischen Wittstock, auch besser bekannt durch den Begriff "Bombodrom". Diese FuTBr deckte den nördlichen Teil der DDR ab. Ihr südlichstes Objekt war ein FuTP bei Stendal.
   So kontrollierte die 45.FuTBr eher den mittleren und südlichen Luftraum der DDR. Dabei befanden sich 2 Bataillone dieser Brigade bei Quedlinburg.
  • 1571.FuTB (Quedlinburg)
    • 711.FuTP (Quedlinburg)
    • 712.FuTP (Nordhausen)
    • 713.FuTP (Pakendorf)
    • 714.FuTP (Hasselfelde)
  • 2127.FuTB (Quedlinburg)
    • 741.FuTP (Quedlinburg)
    • 742.FuTP (Brandis)
    • 743.FuTP (Kaltohmfeld)

Ditfurt
   In Ditfurt (südöstlich von Quedlinburg) lagen der 711. oder der 741.FuTP. Mehr Infos sind im Thema Quarmbeck nachzulesen.

Hasselfelde:
   Hier lag der 714.FuTP. Die Funkmessstellung lag nordöstlich von Hasselfelde bei ca. 510m NN.
   Das Objekt bestand aus mehreren Baracken und war von einem Erdwall umringt.
   In den 90ern baute man auf dem Areal eine Westernstadt, wobei viele der alten Gebäude abgerissen oder umfunktioniert wurden. Fotos vom orginalen Zustand sind leider nicht vorhanden.

Friedrichsbrunn
   Auf dem Berg Victorshöhe (581,5m), auf einer gedachten Linie zwischen Thale und Harzgerode mittig gelegen, befand sich höchstwahrscheinlich ein weiteres Objekt zur Luftraumüberwachung. Zwar gibt es für den Autor kaum verwendbare Informationen, doch kann aufgrund der Lage und Auswertung von Kartenmaterial angenommen werden, dass es sich hierbei um ein funktechnisches Objekt bzw. Funkmessstellung handelte.
   Das Gelände wurde bereits renaturiert und alle Gebäude abgetragen.

Trautenstein
   Zu Trautenstein kann nur noch folgende Objektbeschreibung vorgenommen werden, die aus der Zeit des Abrisses hervorgeht: Neben Heizhaus und wenigen Baracken befanden sich auf dem Areal zwei erdüberdeckte, oberirdische Rundbogenbunker (Shelter). Ähnlich wie bei Splitterschutzbunkern auf militärischen Flugplätzen wurden diese durch ein großes Tor verschlossen.
   Es wird daher vermutet, dass darin Technik der funktechnischen Truppen gelagert wurde (z.B. Technik der Luftlageweitermeldung). Es könnte sich aber auch um eine Einheit der Funkaufklärung gehandelt haben.
   Zwar gab die Regionalzeitung damals spannende Vermutungen ab, doch direkte Hinweise auf (Nuklear-)Raketen gibt es nicht. Es scheint außerdem unrealistisch, dass die Sowjets Mittel- oder auch Kurzstreckenraketen so nah an der Grenze zur BRD stationiert hätten.
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